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Jede Woche etwas.

 

 

 

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Haiga-0093a-VolkerFriebel 

Foto: Morgendämmerung Montag, 11. September 2017, Nagelfluhkette bei Immenstadt, gesehen von der Alpe Gund. Haiku: 2 Tage früher auf einer Busfahrt von Tübingen nach Ulm. Zusammenstellung und Bearbeitung zum Foto-Haiku: Donnerstag, 14. September 2017.

 

 

 

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Wünschelrute

Als Edda am Morgen erwachte, waren alle Farben im Zimmer verblasst. Sie seufzte und stieg langsam aus dem Bett. Sie zog die Gardine zurück und sah durch das Fenster in den Garten. Auch hier sah alles trüb und grau aus. Sogar der Gesang der Vögel klang stumpf und hohl. Edda seufzte noch einmal.

Das Frühstück schmeckte ihr nicht. Sie warf das Brot auf den Teller zurück. Der Vater sah sie an und fragte: „Was ist dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen?“ Edda antwortete erst gar nicht.

Onkel Martin, der seit ein paar Tagen zu Besuch war, sah sie an und sagte: „Wünschelrute. – Das ist ein altes Gedicht. Willst du es hören?“

„Nein“, sagte Edda.

„Ja“, sagte Mutter.

Und Onkel Martin sprach mit erhobener Stimme:

     „Schläft ein Lied in allen Dingen,
     Die da träumen fort und fort,
     Und die Welt hebt an zu singen,
     Triffst du nur das Zauberwort.“*

„Das ist schön“, sagte Mutter.

„Das ist blöd“, sagte Edda.

„Das habe ich auch mal in der Schule gelernt“, sagte Vater.

Nach dem Frühstück war endlich frei. Edda ging in die Wiesen, um endlich niemanden sehen zu müssen.

Eigentlich hatte ihr das Gedicht gefallen. Mit einer Wünschelrute, das wusste sie, konnte man Wasser unter der Erde finden – oder Gold – oder sonst etwas Wertvolles. Was, das wusste sie nicht mehr genau. Einen Schatz jedenfalls.

Aber was hatte das mit einem Lied zu tun? Das auch noch in allen Dingen schläft?

„Schlüsselblumen“, sprach Edda vor sich hin und hüpfte einen Schritt. Dieser Name hatte ihr schon immer gefallen. Oma hatte einmal gesagt, dass diese Blumen auch „Himmelsschlüssel“ heißen. Das gefiel ihr sogar noch besser.

Edda blieb stehen und hockte sich in die Wiese. Gräser und Blumen. Ein Marienkäfer, der gerade an einem Grashalm hochkletterte. Sie sah eine Weile zu. Eine Fliege summte ihr vor den Augen. Sie stand wieder auf.

Und hockte sich wieder hin. Und versuchte, an einer blauen Blume zu riechen. Und roch ihren süßen Duft.

Eine Schlüsselblume konnte das aber nicht sein. Die waren gelb, wusste Edda.

Sie hielt ein Ohr ganz dicht an die Blume, so dass sie den Kelch sogar einmal berührte – und zurückzuckte. Und es wieder versuchte.

Aber zu hören war nichts. Nur die Laute ringsum. Vom Gras, von den Vögeln, von einem Flugzeug am Himmel, sogar von ihren eigenen Kleidern, wenn sie sich bewegte. Und aus dem Wald etwas Fernes, vielleicht eine Motorsäge. Und von der Siedlung ein Auto.

Und von der Blume die Stille. Irgendwie wurden alle Laute schön, vor dieser Stille, ganz hinten in dieser Stille! Wie es in diese Stille einbrach. Ob die Stille das „Zauberwort“ aus dem Gedicht war? Obwohl sie eben gar kein Wort war, sondern bloß still?

Als Edda nach einer Weile aufstand, war ihr ein Fuß eingeschlafen. Die ersten Schritte hinkte sie noch, dann ging sie schneller, den Wiesenweg hinein in den Vogelgesang.

Die Farben ringsum waren alle kräftig geworden und schön. Und schön waren die Lieder der Vögel.

 

* Das Gedicht stammt von Joseph Freiherr von Eichendorff.

 

    Aus: Volker Friebel (2016): Das singende Kamel. Geschichten für Kinder über das, was wichtig ist. Tübingen: Edition Blaue Felder. Nur als eBuch (epub-Format).

 

 

 

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„Hallo, Anton“, tschilpt Karl.

„Hallo, Karl“, tschilpt Anton.

„Der Sommer geht vorbei, die Menschen wechseln ihr Gefieder“, tschilpt Karl.

„Das ist ihre Kleidung“, berichtigt Anton.

„Ihre Kleidung ...“, sinnt Karl. „Die Schwalben fliegen lieber davon, statt sich umzuziehen; sie fliegen dorthin, wo es warm ist.“

„Ich würde manchmal auch gern in den Süden fliegen“, meint Anton.

„Wie man zu solcher Kleidung wohl kommt?“, überlegt Karl.

„Für uns Spatzen schicken sich Hosen nicht“, tschilpt Anton.

„Ein Hemd wäre zu groß, aber ein Socken könnte dir stehen“, tschilpt Karl.

„Wo gibt es die wohl?“, fragt Anton.

„Manchmal wachsen sie auf Wäscheleinen, aber eigentlich stammen sie alle aus dem Wäschekorb von Meyers hinter dem Haus“, erklärt Karl. „Komm, wir schauen mal nach!“

Sie breiten die Flügel aus und werfen sich hinein in den Himmel.

 

 

 

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Kleine Teufel

Manches ist so leicht ihre Beute:
die Ziffernreihen des Geldinstituts,
Platz und Stimme am Konferenztisch,
die Segeljacht, ankernd
in der blauen Lagune.

Ein Bollwerk ist immer das Kleine,
das Schwache, das niemand will, das Gedicht,
das treibende Blatt auf dem Wasser,
die Krähenfeder im Haar eines Wanderers,
die bunten Steine im Waldbach.

 

    Aus: Volker Friebel (2009): Nachricht von den Wolken. Gedichte und Haiku. Zweite Ausgabe. Tübingen: Edition Blaue Felder.

 

 

 

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Die Unmöglichkeit reinen Beobachtens

Achtsamkeit wird sich zunächst auf reines Beobachten beschränken. Reines Beobachten bedeutet, die Dinge in ihrem eigenen So-Sein zu erfahren. Es geht nicht um ein reflexives Nachdenken über die Dinge oder um unsere Gefühle den Dingen gegenüber.

Versucht man, diese Aspekte zu unterscheiden, fällt als erstes auf, wie schwierig das ist, wie sehr das, was ich augenblicklich sehe, bereits mit Erinnerungen, Voreinstellungen, mit vielfältigen gedanklichen und emotionalen Verknüpfungen verwoben ist. Beim reinen Beobachten zeigt sich, dass ,reines' Beobachten unmöglich ist.

Wenn ich ein Eichenblatt vor mir liegen habe, dann sehe ich es als Blatt einer Eiche, ich denke die Eiche dazu. Ich weiß, dass jenes ein Stiel ist, durch den das Blatt mit dem Zweig verbunden war. Und das da sind Adern, die dem Stoffwechsel dienen. Die Fläche dient der Umwandlung von Lichtenergie in verwertbare stoffliche Energie, die der Baum zum Leben nutzt.

Ich weiß, das Blatt ist pflanzlich, es ist kein Tier, kein Kristall, keine tote Materie. Ich weiß, dass sich Pflanzen, Tiere, Kristalle und tote Materie unterscheiden. Ich weiß, dass das Blatt sich nicht plötzlich zu bewegen beginnen wird, es wird sich nicht etwa schnell auf mich zubewegen und nach meiner Hand schnappen. Ich weiß, dass es sich im Zeitraum, in dem ich es betrachte, nicht wahrnehmbar verändern wird. Ich weiß, das Blatt ist nicht etwa eine Wucherung meines Tisches, sondern es liegt nur auf ihm. Ich weiß, dass Grün eine Farbe ist. Ich weiß, dass die grüne Fläche gesund und dass die schwarzen Flecken darin kranke oder abgestorbene Teile sind, nicht etwa umgekehrt. Ich weiß, dass Blätter nur im Frühling und Sommer grün sind, im Herbst sich verfärben und abfallen. Ich kenne andere Dinge, die grün aussehen und die mir sofort in den Sinn kommen. Ich weiß, dass die Farbe Grün für verschiedene abstrakte Dinge stehen kann, so für Unreife, Hoffnung, den Islam oder Naturbewusstsein. Ich weiß, dass dieses zackige Muster um das Grün herum bedeutet, dass das Blatt dort endet. Ich weiß, dass das Blatt eigentlich nicht auf den Tisch gehört, sondern nach draußen, zu einem Baum.

Ich weiß noch viel mehr, und nichts davon ergibt sich aus der reinen Beobachtung. Alles ist abstraktes Wissen über Blätter oder Dinge im Allgemeinen und über Beziehungen zwischen Dingen und ihrer Umgebung. Zum Vorwissen über das Ding kommt Wissen über die Art der Wahrnehmung meines Gehirns. Manches des von mir ,Wahr'-genommenen ist objektiv so gar nicht vorhanden, sondern nur eine Qualität, die mein Gehirn erzeugt, um mit dem Ding besser umgehen zu können.

Die Farbe Grün gehört dazu. In ,Wirklichkeit' gibt es so etwas wie Farben nicht. Es gibt Licht, das aus einem Gemisch unterschiedlicher Wellenlängen besteht. Es gibt Oberflächenstrukturen, die Licht unterschiedlich reflektieren: Manche reflektieren gar nichts, sondern schlucken alles Licht (,schwarz'), manche reflektieren alles (,weiß'), manche schlucken einen Teil des Lichtspektrums, während sie andere Teile reflektieren (die Farben). Und es gibt meine Augen, deren Sinneszellen auf unterschiedliche Wellenlängen auftreffenden Lichts unterschiedlich reagieren, von denen jeweils bestimmte nur bei für sie ,passenden' Wellenlängen elektrische Signale ins Gehirn aussenden, sonst stumm bleiben. Und es gibt mein Gehirn, das aus einer Flut von eintreffenden Nervenimpulsen und dem Wissen um die Art der Sinneszellen von denen sie stammen, ein Bild konstruiert, eine subjektive Qualität aus all dem entwickelt, die vorher nicht vorhanden war: Das ist die Farbe Grün.

Ich weiß, dass Wahrnehmung keine Abbildung eines äußeren Dinges nach innen ist, sondern ein konstruktiver Prozess. Dinge werden in ihre Grundbestandteile zerlegt und in verschiedenen Stufen der Verarbeitung im Gehirn zusammengesetzt. Dieses Zusammensetzen orientiert sich an Handhabbarkeit des Ergebnisses, nicht an Realismus. Nichts wird im Gehirn einfach so abgebildet, wie es ,in Wirklichkeit' ist. Schnee wird auch nachts weiß empfunden, obwohl sich zeigen lässt, dass eigentlich Grau wahrgenommen wird. Das ist wichtig, um Dinge auch bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen wiederzuerkennen. Konturen, so der Rand des Blattes auf meinem Schreibtisch, werden überbetont. Denn sie eignen sich leicht zur Identifizierung von Dingen.

Reines Beobachten ist unmöglich. Aber es ist möglich, die Dinge zumindest von unseren höheren Assoziationsprozessen frei zu halten. Es ist möglich, die Dinge in ihrem So-Sein als Gegenüber zu betrachten und nicht nur als Kürzel, als Zeichen unseres Gehirns. Es ist möglich, den Baum richtig zu sehen, als wirkliches Gegenüber zu erfahren (und damit auch mich, den Sehenden) und nicht nur nach flüchtigem Blick als Hinweisreiz einzuordnen, als Hinweis auf die Kategorie ,Baum' in meinem Gehirn, mit all den gespeicherten Assoziationen, die richtig sind und wichtig für das Handeln in der erfahrenen Welt, denen aber die Lebendigkeit unmittelbarer Erfahrung eben deshalb fehlen muss.

Zu den gespeicherten Assoziationen gehören auch Wertungen wie ,hässlich', ,schön', ,nützlich', ,schädlich', ,wertlos'. Solche Wertungen gilt es bei der reinen Beobachtung zu erkennen – und auszublenden. Für den Augenblick auszublenden, im reinen Beobachten. Im täglichen Leben können sie wieder wichtig sein. Vielleicht erweisen sie sich in der reinen Beobachtung aber auch als falsch oder sinnlos und fallen dann weg.

Wenn wir im reinen Beobachten die Dinge in ihrem So-Sein möglichst unmittelbar zu erfahren suchen, erfahren wir nicht nur etwas über die Dinge. Wir erfahren mindestens genau soviel über uns selbst. Wir erfahren etwas über die Art unseres Sehens, das nicht einfach ein Abbilden äußerer Objekte ist, sondern ein Herstellen von Formen, Farben, Assoziationen, ein Bewerten und Einordnen.

Reines Beobachten ist eine Grundlage der Achtsamkeitsmeditation. Es verlangsamt, beruhigt, vertieft, es führt zu mehr Offenheit und erstaunlicherweise auch zu einer vermehrten Spontanität nicht nur der Erfahrung, sondern auch des eigenen Handelns.

 

 

 

 

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Haiga-0091a-VolkerFriebel 

Haiku und Foto: Donnerstag, 10. August 2017, Schillers Arbeitszimmer im Schiller-Haus, Weimar .

 

 

 

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Grundlagentext  Geführte Imagination

Bilder und Vorstellungen sind unser Erleben, wir konstruieren in ihnen unsere Welt. Zeichen oder Worte bedeuten immer bereits eine Abstraktion von der persönlichen Erfahrung – sie sollen ja von anderen Menschen verstanden werden –, sie dienen der Mitteilung, der Kommunikation nach außen, müssen daher überindividueller Natur sein. Das Wort „Meer“ wird von allen Menschen etwa gleich verwendet. Die Vorstellungsbilder, die sich dabei einstellen, unterscheiden sich aber sehr.

Sowohl innere Bilder als auch Gefühle können als integrative Gesamtdarstellung unseres Gehirns verstanden werden. Alles was wahrgenommen wird, was wir erinnern, auch was wir darüber denken, wirkt zusammen und bringt dabei Gefühle und innere Bilder hervor – die uns auf einen Grundton einstimmen und so unser Handeln vorbereiten und erleichtern.

Den Gefühlen liegen dabei oftmals schon innere Bilder zu Grunde. Ich spüre beispielsweise etwas auf meiner Hand sich bewegen, das Bild einer Spinne kann sich einstellen (vor allem, wenn ich unter Spinnenphobie leide), ich erschrecke – als ich hinschaue, ist es ein Marienkäfer, ich entspanne mich wieder, freue mich vielleicht sogar.

Durch die Arbeit mit inneren Bildern können wir unsere Gefühle und Gedanken verändern. Wir können Anspannung in Entspannung verändern, uns mit Ängsten beschäftigen und diese zu transformieren versuchen sowie viele andere Probleme bearbeiten oder unsere Möglichkeiten erweitern.

„Imaginationen“ nennen wir die inneren Bilder (und Vorstellungen anderer Sinnesmodalitäten), die wir erzeugen. „Geführt“ nennen wir von außen, von einem Kursleiter, einem Therapeuten, einer Audio-Datei vorgegebene bzw. angeregte Imaginationen. „Geführte Imaginationen“ sind also das, was wir in Kursen, in therapeutischen Anleitungen, beim Hören von Entspannungs -Tonträgern erleben.

Imaginationen ohne eine aktuell vorliegende Anleitung selbst zu erzeugen, zur Entspannung während einer Stress-Situation etwa, ist das Ziel des „Ruheorts“.

In der Entspannungspädagogik beschäftigen wir uns mit Imaginationen zum Thema Entspannung und Stressbewältigung. Grundsätzlich können Imaginationen auch zu einer Vielzahl anderer Themen zum Einsatz kommen. Beispiel für ein Thema, das starke Überschneidungen mit Entspannung hat, sind Einschlafprobleme. Aber auch etwa bei Angststörungen, zur Schmerzbewältigung, zur Stimmungsaufhellung, zur Kreativitätsförderung können Imaginationen hilfreich werden.

Geführte Imaginationen sind meist sehr bildbetont und eher handlungsarm. Ein Gang an einem Bach entlang kann beschrieben werden, aber kein Abenteuer dabei. Oder ein See, ein Wald, ein Berg. Es wird also keine – oder fast keine – Geschichte erzählt, sondern es werden bildhafte Vorstellungen im Hörer angeregt. Diese sind beim Einsatz in der Entspannungspädagogik so gewählt, dass sie Entspannung fördern und vertiefen.

Was vertieft Entspannung? Naturbilder. Naturbilder ohne viel Aktion. Das Rauschen eines Bachs. Das Ziehen der Wolken. Grashalme, die sich im Wind bewegen.

Bei Krankenhausaufenthalten hat es sich im Versuch gezeigt, dass bereits ein Blick auf eine Baumgruppe im Vergleich zum Blick auf eine Backsteinwand die Gesundung fördert und die Krankheitsdauer verkürzt (Gebhard 1993). Natur hat eine heilsame Wirkung auf uns. Imaginationen nutzen diese.

Die Stärke der bildhaften Vorstellung scheint von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Manche Menschen nehmen innere Bilder fast so deutlich wahr, wie das, was sie bei geöffneten Augen sehen. Andere bei weitem nicht. Die Stärke der Vorstellungskraft scheint allerdings für ihre heilsame Wirkung nicht das wichtigste Maß zu sein. Auch mit „schwacher“ Gabe zur inneren Vorstellung können unserer Beobachtung nach sehr gute Resultate bei der Entspannung erzielt werden.

Wir betrachten Imaginationen als eines der wirksamsten Verfahren zur Entspannung. Wie für alle Entspannungsverfahren gilt: Nicht alle Menschen sprechen gleichermaßen gut auf sie an. Als eine Möglichkeit zur Entspannung sollten Imaginationen jedenfalls angeboten werden.

Die Vorteile von Imaginationen etwa gegenüber dem Autogenen Training oder der Progressiven Muskelrelaxation: Es wird kein mehrstufiges Erlernen in einem Kurs vorausgesetzt. Die erste Geführte Imagination kann bereits die volle Wirkung entfalten. Und mit dem „Ruheort“ bekommen Kursteilnehmer etwas gezeigt, das sie ohne Vorbereitungen jederzeit selbst durchführen können.

 

    Aus dem Online-Kurs Entspannungspädagogik. Eine Ausbildung zum Entspannungspädagogen / zur Entspannungspädagogin. Autor: Volker Friebel, Tübingen: Privat-Kurse.

 

 

 

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Nonnenhorn

Kaum 2.000 Einwohner hat der Ort. Eigentlich ist er schwäbisch, gehört aber zu Bayern und liegt am nordöstlichen Ufer des Bodensees, nicht weit von Lindau.

Im Jahre 910 unserer Zeitrechnung wurde die Siedlung erstmals urkundlich erwähnt. Damals lebten hier Nonnen. Heute dominieren Weinfelder und Tourismus. Ein Zweig des Jakobswegs führt hindurch.

Wir sind einige Tage am See, bei den Wogen, den Vögeln und Wolken. Wie schön alles ist! Wie viel schöner noch alles gewesen sein muss, bevor wir kamen, bevor der Tourismus begann!

Ich versuche mir Fischer am Strand vorzustellen, die ihre Netze flicken. Ich versuche mir Menschen vorzustellen, die aus den Weinbergen kommen, Trauben in ihren Tragen, sie im Bottich zu stampfen und in dicken Fässern zu keltern.

Im Reisen liegt auch Wehmut – und Sehnsucht nach einer anderen Zeit.

Morgendämmerung.
Die Steine am Strand
erwachen.

Morgenlicht.
Die Wellen des Sees branden
in den Amselgesang.

Im Hafen die Pfähle, sie scheinen zu schweigen. Die Geräusche um sie macht alleine der See.

Kleeblüten zittern.
Ich gehe hinein
in den Wind vom See.

 

 

 

 

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Stillemomente für Kinder – Einführung

Stillemomente sind Momente der Achtsamkeit. Wir öffnen beispielsweise ein Fenster, schließen die Augen und achten darauf, was es zu hören gibt. Stillemomente bewirken so eine Verlagerung von der Aktivität auf die Wahrnehmung. Wahrnehmen führt häufig zur Stille.

Stillemomente sind für jedes Lebensalter interessant. Schon beim Säugling lassen sich ihre charakteristischen Zeichen beobachten, wenn wir einen Ton hinter ihm erzeugen und das Kind sich dem zuwendet und im Lauschen ganz still wird. Im Kindergarten und in der Schule werden Stillemomente oft über kleine Aufgaben eingeführt und bekommen einen spielerischen Charakter. Erwachsene erleben sie vor allem als Achtsamkeitsübungen.

Warum die Beschäftigung mit Stillemomenten?

Kinder lernen Stille vor allem durch Ermahnungen kennen. „Sei doch mal still!“, heißt es. Stille wird so dem Kind als etwas vermittelt, das andere wollen und das es selbst stört. Das kann Widerstände wecken. Stille kann so für Kinder eine negative Bedeutung bekommen.

Stillemomente wirken dem entgegen und betonen die positiven Seiten der Stille, das Horchen auf die eigenen Sinne, das Entdecken von Neuem, Unbekanntem in dem, was eigentlich immer da ist, auf das wir aber sonst nicht achten. Sie beschäftigen sich mit dem Leisen, Unscheinbaren und können so auch eine Korrektur zum Bedürfnis nach immer Größerem, Schnellerem, Schrillerem sein.

Achtsamkeit bedeutet Konzentration. Horchen, Schauen, Spüren leisten so auch einen Beitrag zur Entwicklung der Konzentration, die unter dem gleichzeitigen Vielerlei des Alltags oft leidet. Im Gegensatz zum Fernsehen oder zu Computerspielen, die gleichfalls die Aufmerksamkeit anziehen, ist das Horchen bei Stillemomenten weniger von außen geleitet und stärkt deshalb die Selbstständigkeitsentwicklung und die eigene Strukturierung von Zeit. Kinder können so eine bessere Selbstkontrolle entwickeln und werden nicht mehr nur von der Umgebung oder von ihren Impulsen getrieben.

Die Beziehung zur Entspannung ist offenkundig. Stillemomente werden deshalb auch als Hinführung zur Entspannung verstanden. In der Stille kann sich Entspannung entwickeln. Entspannung ist allerdings nicht derart auf Sinneswahrnehmung ausgerichtet. In der Entspannung kommen auch die Sinnesaktivitäten zur Ruhe.

Stillemomente sind ein Weg, keine Knopfdruckmethode. Nach einem durchgeführten einzelnen Stillemoment muss es nicht unbedingt ruhiger sein. Wir haben eine Aufgabe durchgeführt und möchten uns nun darüber austauschen. Auch wenn es während dem Öffnen des Fensters leise war, anschließend, beim Erzählen, wird es wieder laut, gerade wenn etwas Interessantes erlebt wurde.

Führen wir mit Kindergruppen allerdings immer wieder Stillemomente durch, werden sie mit der Zeit insgesamt ruhiger und konzentrierter – so der Eindruck aus vielen Kindergärten und Schulen . Als würde es allmählich gelingen, über Stillemomente eine größere Offenheit und Interessiertheit der Kinder an stillen und entspannten Erlebnisräumen zu wecken.

Stillemomente können sehr gut zwischen verschiedenen Aktivitäten stattfinden. Sie wirken so als Signalgeber, dass etwas endet und etwas Neues beginnt. Mit der Zeit werden Kindern damit auch diese Wechsel bewusster.

Wir können Stillemomente auch als Projekt etwa bei einem Waldspaziergang durchführen, etwa die Rinde verschiedener Bäume ertasten, in verschiedenen Abschnitten des Weges die Augen schließen und auf die Umgebung achten, Tannenzapfen oder Steine sammeln, sie herumreichen und mit geschlossenen Augen ertasten.

Und wir können Stillemomente sich spontan aus dem Alltag entwickeln lassen. Beispielsweise nach plötzlich einbrechendem Regen die Augen schließen, auf die Geräusche achten und aus ihnen zu erkennen versuchen, ob der Regen auf Dächer, auf Blätter, auf Gräser fällt. Oder dem Läuten von Glocken zuhören, mit geschlossenen Augen, bis sie ganz verklungen sind.

Einem möglichen Missverständnis sei vorgebeugt: Die Beschäftigung mit Stillemomenten und mit Entspannung bedeutet nicht, dass Kinder immer ruhig und konzentriert sein sollten. Kinder zieht es nach draußen, sie erobern sich die Welt, sie wollen und sollen sich bewegen, lachen, auch laut sein. Aber gerade in unserer zunehmend beschleunigten Welt droht dabei etwas verloren zu gehen, das genauso wichtig ist, das vielen Aktivitäten von Kindern, und allem Lernen, erst eine solide Grundlage gibt. Ja, Kinder sollen und müssen sich bewegen – aber sie sollen still und aufmerksam sein können, wenn die Situation es erfordert. Deshalb die Beschäftigung mit Stillemomenten und Entspannung.

Die meisten der folgenden Materialien sind für Menschen jeden Alters interessant, für Kinder, für Erwachsene, für alte Menschen. Sie müssen allerdings altersgerecht eingeführt werden. Auch ob sie alleine, zu zweit, in einer kleineren oder größeren Gruppe erlebt werden sollen, ist vor der Durchführung zu überlegen.

Ob so oder so durchgeführt: Stillemomente sind anregend und belohnen sich selbst. Die Welt wird interessanter mit ihnen.

 

    Aus: Volker Friebel (2012): Stillemomente für Kinder. Tübingen: Edition Blaue Felder. Nur als eBuch: 59.000 Zeichen, 3,99 Euro.

 

 

 

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Der Bibliothekar erinnert sich weiter.

Nach dem Marionettentheater, vorne, zwischen den Kindern beim Puppenspieler, der die einzelnen Figuren noch einmal vorzeigte, für ein paar letzte Zuckungen, und sie dann in seinen Koffer tat: Der Kasper, der König, der Teufel, das arme Mädchen, der Kaufmann, der schöne Jüngling, der Prinz.

Plötzlich wurde ihm bewusst, wie weit er sich vorgebeugt hatte, den Puppen, dem Koffer zu. Wie er da sein Herz schlagen hörte, so schnell, schnell, und es noch einmal beschleunigen spürte, als ihm deutlich wurde, wie hingerissen er gerade seinem eigenen Herzschlag lauschte, zwischen den Kindern nach Ende der Vorstellung.

Wie er durch die dunklen Novembergassen davonging. Wie er am Brunnen stehen blieb und hoch zu den Sternen sah.

Das muss doch später gewesen sein, das Marionettentheater wird wegen der Kinder nicht in der Dunkelheit geendet haben. Oder doch? Gleichviel.

Damals, vor den Puppen, hatte er sich lebendig gefühlt.

 

    Aus: Volker Friebel (2015): Bunte Scherben. Versuch über die Seele. Tübingen: Edition Blaue Felder. Eine frühere Version erschien 2007 unter dem Titel Ein Rest reiner Wahrheit.

 

 

 

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Traumreisen-zur-Entspannung-1-125x125 

 

Das Hörbuch Traumreisen zur Entspannung 1 ist erschienen und kann bestellt werden. Hier ein Text daraus:

 

Sonnenaufgang

Mach es dir ganz bequem  ... Während du dich noch räkelst, kannst du schon beginnen, angenehm ruhiger zu werden  ... Am besten, du schließt die Augen, um die angenehme Ruhe zu spüren  ... Um dich hörst du vielleicht noch Geräusche  ... die nach und nach gleichgültiger werden  ... Vielleicht spürst du schon das gute Gefühl, einfach so da zu sein  ... und die Bilder in dir zu erleben  ...

Stell dir einen weiten Horizont vor, der den Sonnenaufgang erwartet  ... Das Land liegt noch dunkel, der Himmel aber ist hell und an manchen Stellen gerötet  ... Eine tiefe Stille liegt über der Welt  ...

Langsam verändern die Wolken ihre Färbung  ... Ein Glutpunkt bildet sich am Horizont  ... wird größer  ... es ist die aufgehende Sonne  ... Langsam schiebt sich die Sonnenscheibe hoch, aus dem Horizont in den Himmel hin ein  ...

Der Himmel ist noch heller geworden  ... Vielleicht spürst du die Ruhe der Wolken  ... und ihre langsame Bewegung  ... Alles hat Zeit  ...

Gegen den hellen Himmel heben sich die schwarzen Schattenrisse der Bäume ab  ... Vielleicht liegt da auch eine Wiese, die bis in den Himmel geht  ... Ein Pferd, das am Rande des Himmels grast  ... Der Himmel, der langsam immer noch heller wird  ...

Die Sonnenscheibe wandert höher, wie schwerelos  ... Die Leichtigkeit ihrer Bewegung – die so machtvoll ist, wie nichts in unserer Welt  ... die von nichts aufgehalten werden kann  ...

Vielleicht spürst du die Ruhe in dieser langsamen Bewegung  ... Vielleicht spürst du schon die Kraft in dieser Ruhe  ...

Vielleicht sind hier und da auch Schreie von Vögeln zu hören  ... Oder ferne Motoren  ... Vielleicht gibt es auch so etwas wie den Klang des Himmels  ... unhörbar  ... und dennoch irgendwie unter allem vorhan den  ...

Am Himmel fliegt ein Vogel  ... Die Bewegung seiner Flügel ist ruhig und langsam  ... Er ist noch dunkel vor der Helle des Himmels  ... Seine ruhigen Flügelschläge wiegen den Himmel  ... Die Ruhe seiner Flügelschläge vertieft die Ruhe des Himmels noch  ...

Ist da ein Atem zu hören?  ... Dein eigener Atem vielleicht?  ... Dein Atem strömt ein und aus  . .. Er kommt aus der Ruhe und aus der Kraft  ... Er ver tieft die Ruhe und die Kraft noch weiter  .. . Die Wiege des Atems und die ruhige Bewegung des fliegenden Vogels  ... Die Ruhe des Atems und die Ruhe des Himmels  ...

 

Ein weiteres Stück, Meeresstrand, ist bei YouTube als Video zu erleben.

 

 

 

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Mein Mai-Seminar Entspannung für Kinder zur 32. Entspannungstherapiewoche der Deutschen Gesellschaft für Entspannungsverfahren  in der Akademie am Meer in Klappholttal / Sylt hat viel Freude gemacht. Diesmal stand Autogenes Training im Vordergrund. Bevor steht ein Seminar mit Sabine Friedrich im Kloster Neustift bei Brixen (Südtirol) und eines in Horb am Neckar, beide gleichfalls zum Thema Entspannung für Kinder.

Der Online-Kurs Entspannungspädagogik wurde nach langer Vorarbeit im April 2017 fertiggestellt. pdf-Dateien mit über 200 DIN-A4-Seiten, mehr als 10 Stunden Audio-Material, außerdem einige Videos ... Ich glaube, das ist mein bislang umfangreichstes Projekt überhaupt. Hintergrund für den Beginn war, dass ich so etwas wie die Fortbildung Entspannungspädagogik für Kinder, die ich seit vielen Jahren zusammen mit Sabine Friedrich durchführe, auch für Erwachsene auf die Beine stellen wollte – aber ohne weitere Termine im Kalender, dafür zeitgemäß im Online-Format. Vom Umfang her hat das Projekt sein Vorbild nun sogar noch deutlich überflügelt.

Das Haiku-Jahrbuch 2016, Südwind, ist Ende April 2017 erschienen. 596 Haiku von 115 Autoren wurden aufgenommen. Die Sammlung ist jedes Jahr eine schöne Bestätigung, wie gut sich das deutschsprachige Haiku entwickelt hat.

Versuchsweise habe ich im eigenen Verlag Edition Blaue Felder eine CD mit gesprochenen Traumreisen für Erwachsene beauftragt: Traumreisen zur Entspannung 1. In den nächsten Tagen sollten die CDs kommen. Ich bin gespannt!

Juni 2017 erschien beim Ökotopia-Verlag eine 5. Auflage meines Buchs Traumreisen für Kinder.

Ein Buch Meditative Tänze mit Kindern 2, das einen gleichfalls beim Ökotopia-Verlag erschienenen Vorgänger (Meditative Tänze mit Kindern, mit Marianne Kunz, 5 Auflagen) weiterführen soll, ist fast fertig. Gerade korrigiere ich es durch und lege letzte Hand an die Musikstücke. Im Herbst soll es zunächst im eigenen Verlag erscheinen. Ich werde dann versuchen, auch eine Lizenzausgabe in einem Pädagogik-Verlag zu verabreden.

 


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Aktuell 14.09.2017 auf www.Volker-Friebel.de
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